1. Studienschwerpunkt Arbeit und Organisation an der Universität Stuttgart
  2. Veranstaltungen


1. ARBEIT und ORGANISATION

 

„Arbeit“ und „Organisation“ sind zentrale Merkmale moderner Gesellschaften. Im Vertiefungsgebiet Arbeit und Organisation stehen die beiden Phänomene in ihrer jeweils eigenen Bedeutung und in ihren Wechselbeziehungen zu einander im Mittelpunkt von Lehre und Forschung. Die Verbindung zwischen Arbeit und Organisation liegt auf der Hand: die Organisation von Arbeit bildet den operativen Kern jeder komplexen Organisation. In jeder Organisation wird Arbeit geleistet. 

 

 

Arbeitssoziologie

Die Arbeit ist eine Grunderfahrung menschlichen Lebens. Dass Menschen arbeiten, um ihr individuelles und das gemeinschaftliche Leben ökonomisch und kulturell zu sichern und fortzuentwickeln, kennzeichnet alle Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart. Wie die Menschen arbeiten, ist das Ergebnis der gesellschaftlichen Organisation von Arbeit und unterscheidet z.B. unsere gegenwärtige Gesellschaft in Deutschland von anderen, nicht-industriellen Gesellschaften.

Die Frage, ob den modernen Gesellschaften die Arbeit ausgeht, ist seit einiger Zeit wieder sehr aktuell. Zum einen scheinen die Arbeitslosenquoten, die sich insbesondere in den europäischen Ländern auf hohem Niveau stabilisiert haben, eine deutliche Sprache zu sprechen. Zum anderen werden Einflussgrößen wie die Globalisierung und die technische Entwicklung genannt, wenn man die „Chancen der Erwerbsarbeit in der Wissensgesellschaft“ analysieren will. Festzustehen scheint jedenfalls für viele Beobachter, dass das in der Vergangenheit dominierende Modell der (Erwerbs)Arbeit, das sich stark am sogenannten Normalarbeitsverhältnis orientierte, nicht mehr trägt.

 

Im Laufe des Studiums wird die

  • historische Entwicklung von Arbeit vorgestellt sowie die Frage von Herrschaft und Macht im Betrieb diskutiert.
  • Veränderungen in der betrieblichen Organisation von Arbeit werden u.a. in Beziehung zu den Einflussfaktoren Technik und Subjektivierung analysiert.
  • Die gesellschaftliche Regulierung von Arbeit wird im Hinblick auf das sich verändernde System der industriellen Beziehungen und die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses thematisiert.  

 

 

Organisationssoziologie

Nahezu alle Aspekte des modernen Lebens werden von Organisationen berührt. Organisationen sind keine sachlich fassbaren Gegenstände wie Autos und Konzerthallen. Auch wenn sie ihre lokalisierbaren Zentren und Büros, ihre Mitgliederlisten und Archive haben, existieren sie doch im Wesentlichen in den Köpfen der Menschen; sie bestehen aus einem usnichtabren Netz aufeinander bezogener Handlungen.

Soziologen beschäftigten sich u. a. mit Organisationen, weil sie sehen, dass die empirischen Phänomene, für die sie sich interessieren, „organisiert“ sind (Unternehmen, Märkte, Aus- und Weiterbildung u. v. m.), aber auch, weil ihre berufliche Perspektive fast unweigerlich mit Arbeit mit und in Organisationen verknüpft ist.

 

Im Laufe des Studiums werden die zentralen Merkmale von Organisationen vorgestellt und ein Überblick über klassische und neuere organisationstheoretische Ansätze und Sichtweisen vermittelt. Darauf aufbauend soll theoretisch und praktisch auf folgende Fragen eingegangen werden:

 

  • Welches sind die fundamentalen Dynamiken der Entstehung und des Wandels von Organisationen?
  • Gibt es Verbindungen zwischen den generischen sozialen Prozesse der Organisation und der Bildung von Staaten und Märkten etc.?
  • Welche Rolle spielen Geschichte, Kultur und Kontext für die Ausprägung und Entwicklung von Organisationen?

 

Veranstaltungen im Lehrgebiet Arbeits- und Organisationssoziologie

An der Universität Stuttgart wird die Arbeits- und Organisationssoziologie als dritte Spezielle Soziologie neben Sozialstrukturanalyse und Technik- und Umweltsoziologie vom Institut für Sozialwissenschaften angeboten. In diesem eigenen Lehrgebiet werden zunächst die fachlichen Grundlagen vermittelt. Anschließend werden vertiefend die Besonderheiten der modernen Wissensgesellschaft betrachtet. Dabei werden unter anderem zentrale Fragestellungen der international vergleichenden Arbeits- und Organisationsforschung am Beispiel der betrieblichen Organisation von Arbeit herausgearbeitet, die institutionelle Regulierung von Arbeit und Innovationen vorgestellt und der Wandel der Industriegesellschaft zu einer innovationszentrierten, grenzüberschreitend organisierten Wissensgesellschaft beleuchtet.

 

Das Studium der Arbeits- und Organisationssoziologie qualifiziert für ein breites Spektrum an beruflichen Einsatzmöglichkeiten. Neben einer Karriere in Wissenschaft und Lehre werden von Arbeits- und Organisationssoziologen Tätigkeiten im Personalwesen, bei Training und Weiterentwicklung, der begleitenden Beratung von Veränderungsprozessen in Wirtschaft und Verwaltung angestrebt.

 

Folgende Lehrveranstaltungen werden angeboten:

  • Einführung in die Arbeits- und Organisationssoziologie (A+O I),
  • Vertiefung ausgewählter Themengebiete, die in der Einführungsvorlesung vorgestellt wurden (A+O II),
  • Anwendungsbeispiele oder aktuelle thematische Ergänzungen (A+O III),
  • methodologische Probleme der Arbeits- und Organisationsforschung (Methoden II),
  • zusätzlich werden Ergänzungsveranstaltungen externer Lehrbeauftragter mit praxisbezogenen Fragestellungen angeboten.

 


Einführung in die Arbeits- und Organisationssoziologie (A+O I)

1

I.

Einführung

Geschichte, Perspektiven und Begriffe der Arbeits- und Organisationssoziologie

Scott 1986, Kap 1;

Jäger 1993;

Endruweit/Trommsdorf 2002 24-28; 230-239;694-696

2

II.

Grundlagen der Arbeitssoziologie

 

Die Arbeitsgesellschaft: Herauslösung der Arbeit aus traditionellen Bindungen

 

Weber 1998: 1-12;

Polanyi 1977: 65-79, 94-104

 

3

 

Herrschaft und Macht in Gesellschaft und Betrieb

Deutschmann 2002: 101-139;

Müller-Jentsch 2003: Kap.2,

Marx 1962, Kap. 10-13

4

 

Betriebliche Organisation von Arbeit: Technik und Arbeit

 

Rammert 1993: 127-150; Deutschmann 2002: 39-46

5

 

Betriebliche Organisation von Arbeit: Subjektivierung von Arbeit

Voß/Pongratz 1998

6

 

Die gesellschaftliche Regulierung von Arbeit:

Industrielle Beziehungen

Streeck 2003,

Deutschmann 2002:160-174

7

 

Die gesellschaftliche Regulierung von Arbeit: Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses

 

Bonß 1999;

Dombois 1999

8

III.

Grundlagen der Organisationssoziologie

Die Organisationsgesellschaft

Mayntz 1963: 7-25;

Scott 1986, Kap. 7;

Müller-Jentsch 2003: Kap 1

9

 

Webers Idealtyp der Bürokratie

Kieser 2002: 39-64

 

 

Scientific Management und Taylorismus

Kieser 2002: 65-99

10

 

Human Relations

Kieser 2002: 101-131

 

 

Contingency Theory

Kieser 2002: 169-198

12

 

Institutionenökonomische Organisationstheorien

Kieser 2002: 199-251

 

 

Evolutionstheoretische Ansätze

Kieser 2002: 253-285

13

 

Unternehmensnetzwerke und Virtuelle Organisationen

Müller-Jentsch 2003: 113-139

14

IV.

Ausblick: Auf dem Weg zu einer innovationszentrierten Wissensgesellschaft

Konturen der Wissensgesellschaft

Heidenreich 2003,

Reich 2002: 139-168

15

Klausur




LITERATUR

Arendt, Hannah 2002: Vita Activa oder Vom tätigen Leben. München: Piper

Beck, Ulrich (Hrsg.) (2000: Die Zukunft von Arbeit und Demokratie. Frankfurt: Suhrkamp

Bell, Daniel 1990: Die dritte technologische Revolution und ihre möglichen sozioökonomischen Konsequenzen, Merkur 44, 28-47

Bonß, Wolfgang 1999: Jenseits der Vollbeschäftigungsgesellschaft, in: Schmidt, Gert (Hrsg.): Kein Ende der Arbeitsgesellschaft. Berlin: Sigma, 145-175

Brater, Michael/Beck, Ulrich 1983: Berufe als Organisationsformen menschlichen Arbeitsvermögens, in: Littek, Wolfgang et al. (Hrsg.): Einführung in die Arbeits- und Industriesoziologie. Frankfurt: Campus, 208-224

Daheim, Hansjürgen/Schönbauer, Günther 1993: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim/München: Juventa.

Deutschmann, Christoph 2002: Postindustrielle Industriesoziologie. Weinheim/München: Juventa.

Endruweit, Günther/Trommsdorf, Gisela 2002: Wörterbuch der Soziologie. 2. A., Stuttgart: Lucius&Lucius

Fligstein, Neil 2004: Organizations: Theoretical Debates and the Scope of Organizational Theory, in: Calhoun, C. et al. (Hrsg.), Handbook of Sociology

Fürstenberg, Friedrich 2000: Berufsgesellschaft in der Krise. Berlin:sigma

Heidenreich, Martin 1997: Arbeitsorganisation und Qualifikation, in: Lukaczak, H./Volpert. W (Hrsg.) Handbuch der Arbeitswissenschaft. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 696-701 (http://www.uni-bamber.de/sowi/europastudien/dokumente/qualifikation.pdf)

Heidenreich, Martin 2000: Regionale Netzwerke, in: Weyer, J u.a. Soziale Netzwerke. München/Wien: Oldenbourg, 87-110

Heidenreich, Martin 2003: Die Debatte um die Wissensgesellschaft, in: Böschen, S./Schulz-Schaeffer (Hrsg.) Wissenschaft in der Wissensgesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag

Jäger, Wieland 1993: Arbeits- und Berufssoziologie, in: Korte, H./Schäfers, B. (Hrsg.) Einführung in die speziellen Soziologien. Opladen: Leske+Budrich, 99-118

Kern, Horst/Schumann, Michael 1984: Das Ende der Arbeitsteilung? München: Beck

Kieser, Alfred (Hrsg.) 2002: Organisationstheorien. 5. A. Stuttgart: Kohlhammer.

Lane, Christel 1994: Industrial Order and the Transformation of Industrial Relations: Britain, Germany and France Compared, in: Hyman, R/Ferner, A. (Hrsg.), New Frontiers in Industrial relations, Oxford: Blackwell, 167-195

Marx, Karl 1962: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Bd. 1. Marx-Engels Werke Nr 23. Berlin: Dietz

Mayntz, Renate 1963: Soziologie der Organisation, Hamburg: Rowohlt

Mikl-Horke, Gertraude 2000: Industrie- und Arbeitssoziologie. München: Oldenbourg

Müller-Jentsch, Walther 1995: Auf dem Prüfstand: Das deutsche Modell der industriellen Beziehungen, in: Industrielle Beziehungen, 2, 11-24

Müller-Jentsch, Walther 1997: Soziologie der industriellen Beziehungen. Frankfurt: Campus

Müller-Jentsch, Walther 2003: Organisationssoziologie: Eine Einführung. Frankfurt: Campus

Ortmann, Günther/Sydow, Jörg/Türk, Klaus (Hrsg.) 1997: Theorien der Organisation. Opladen: Westdeutscher Verlag

Perraton, Jonathan et al. 1998 : Die Globalisierung der Wirtschaft, in : Beck, Ulrich (Hrsg.), Die Politik der Globalisierung. Frankfurt: Suhrkamp, 134-168

Polanyi, Karl 1978: The Great Transformation. Frankfurt: Suhrkamp

Rammert, Werner 1993: Neue Technologien – Neue Begriffe?, in: Rammert, W, Technik aus soziologischer Perspektive, Opladen: Westdeutscher Verlag, 127-150

Reich, Robert 2002: The Future of Success. Wie wir morgen arbeiten werden. München: Piper

Scott, W. Richard 1986: Grundlagen der Organisationstheorie. Frankfurt: Campus

Smelser, N./Swedberg, R. (Hrsg.) 1994: Handbook of Economic Sociology. Princeton: Princeton UP

Streeck, Wolfgang/Rehder, Brigitte 2003: Der Fächentarifvertrag: Krise, Stabilität und Wandel. MPIfG Working Paper 03/6, Juli 2003. Köln: MPIfG

Trinczek, Rainer 1999: „Es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie, es...“, in: Schmidt, G/Trinczek, R. (Hrsg.), Globalisierung- Ökonomische und soziale Herausforderungen am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Sonderband 13 der „sozialen Welt“. Baden-Baden: Nomos, 55-75

Voß, G. Günter/Pongratz, Hans J. 1998: Der Arbeitskraftunternehmer. Eine neue Grundform der Ware Arbeitskraft? In: KZfSS 50, 131-158

Weber, Max 1972: Wirtschaft und Gesellschaft. Fünfte von J. Winckelmann revidierte Studienausgabe. Tübingen: Mohr

Weber, Max 1988: Vorbemerkung zur Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I. Tübingen: Mohr, 1-16.



2. Veranstaltungen

Wintersemester 2004/05

Sommersemester 2005


Wintersemester 2005/06


Sommersemester 2006






Donnerstag, 21. Oktober 2004